Profiteure der Wirtschaftskrise: Private Gefängnisse
Obgleich in den USA die Industrie im vergangenen Dezember so stark geschrumpft ist wie seit 28 Jahren nicht mehr, Banken und Konzerne bereits am staatlichen Tropf hängen und nun auch die amerikanischen Erotikunternehmen nach Steuergeldern rufen, so blicken doch nicht alle Branchen pessimistisch auf das neue Jahr 2009. Eine Branche nämlich entrinnt dem Abschwung: private Gefängnisfirmen.
Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 05.01.2009 wirkt die Krise für diese Firmen wie ein Konjunkturprogramm. Da in vielen US-Bundesstaaten die Gefängnisse hoffnungslos überfüllt sind und – u.a. aufgrund der Finanzkrise, denn die macht es ihnen unmöglich, Schulden zu günstigen Zinsen aufzunehmen – den Gouverneuren das Geld fehlt, um neue Strafanstalten zu bauen, haben einige der Gouverneure bereits begonnen, tausende Häftlinge in private Gefängnisse in Arizona, Mississippi und anderen Bundesstaaten überführen zu lassen. Gebaut und betrieben werden diese Privatgefängnisse von Unternehmen wie der Corrections Corporation, die mit 64 Anstalten in den USA der Marktführer ist, oder auch den Konkurrenten GEO Group und Cornell Companies.
Ihren ersten Boom erlebten private Gefängnisse in den USA bereits in den 80er Jahren aufgrund des sog. „War on Drugs“ – ein Begriff der 1972 vom ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon geprägt wurde. Damals nicht so erfolgreich und gewinnbringend, laufen die Geschäfte inzwischen so gut, dass sogar von einem „Goldrausch“ die Rede ist. Die Zellentrakte füllen sich im Rekordtempo. Der Grund dafür ist mitunter bei den illegalen Einwanderern zu suchen. Während der 90er Jahre, als die Konjunktur in Amerika boomte, waren billige Arbeitskräfte aus Lateinamerika willkommen. Nun verschärft die Konjunkturkrise die Konkurrenz um Arbeitsplätze und lässt zugleich die einst willkommenen Einwanderer zunehmend unerwünscht werden. Dieses enge Zusammenspiel zwischen Wirtschaft (und damit Arbeitsmarkt) und Einstellung gegenüber (illegalen) Einwanderern ist geschichtlich nichts Neues in den USA. In Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs oder während eines Krieges (denn dann fehlten männliche Arbeitskräfte) waren lateinamerikanische Arbeiter meist gern gesehene Gäste. Recht unfreundlich wieder ausgeladen wurden sie jedoch, sobald man sie nicht mehr brauchte – durch neue restriktivere Immigrationsgesetze und/oder strikteres Durchsetzen bereits bestehender Gesetze. So auch jetzt. Der Druck der Bevölkerung auf die Regierung gegen illegale Einwanderer härter vorzugehen wächst. Als Resultat hat der US-Kongress in der vergangenen Legislaturperiode die Mittel für die Internierung von Immigranten bereits verdoppelt. Eine wahre Verhaftungswelle rollt derzeit durch die Einwandererviertel. Daran verdienen letztendlich die privaten Gefängnisfirmen – jeder inhaftierte Immigrant bringt ihnen etwa $100 pro Tag. Die Süddeutsche Zeitung kommentiert zurecht:
Kein Wunder, dass Damon Hininger, Vorstandsmitglied der Corrections Corporation, erst kürzlich in einem Interview frohlockte: “Für uns ist die Zukunft voller Chancen.”
Für mehr Info und einige Zahlen siehe:
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