Spieler ohne Spielraum – zum Tod von Robert Enke
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, einen kurzen Kommentar zu den Unstimmigkeiten zu geben, die am Samstag beim FC Bayern München zu beobachten waren. Zwei Spieler hatten sich – dies wäre die Verbindung zur Thematik dieses Blogs – gewissermaßen abweichend gegenüber den Vorstellungen der Vereinsführung verhalten, indem sie zeigten, dass sie zu mehr oder weniger autonomen Entscheidungen fähig waren. Philip Lahm hatte den Verein in der Süddeutschen kritisiert und Luca Toni war nach seiner Auswechslung wutentbrannt nach Hause gefahren. So boten sie sich gleich als wohlfeile Sündenböcke für Rummenigge, Hoeneß und Co. an.
Nun der Freitod von Robert Enke. Als gebürtigen Jenenser, der seine Karriere aufmerksam verfolgt hat, hat mich das tief erschüttert. Sicherlich sind die Hintergründe komplex und ich möchte da jetzt eigentlich nicht öffentlich darüber spekulieren. Traurig, dass ihm hier nicht mal sein Vater hat helfen können, der in Jena eine psychoanalytische Praxis betreibt.
Einen Punkt möchte ich aber doch ansprechen, einen unter gewiss vielen.
Während es früher einen Nationaltorhüter gab, herrscht nun ein Konkurrenzkampf unter etlichen Kandidaten, der ein ununterbrochenes Sichbeweisenmüssen zur Folge hat – eben das, was unter dem Kürzel Neoliberalismus auch sonst unser Leben bestimmt. Enke hat seine Kindheit in der DDR verbracht, und auch dort herrschte ein in gewisser Hinsicht ähnliches Klima. Nur dass die damalige ständige Bringeschuld sich auf das Bekenntnis zum Sozialismus bezog. 20 Jahre Mauerfall geben mir hier Anlass, auf die Parallelen zwischen dem damaligen und dem heutigen System hinzuweisen. Hat man einmal versagt, ist man schnell weg vom Fenster.
Spieler, die eigenmächtig handeln und sich auch mal Ärger mit ihrem Verein einhandeln, dürften da wohl weniger gefährdet sein.
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