Criminologia

das deutschsprachige Kriminologie Blog

  • Startseite
  • Blogansicht
  • Studium
    • Was ist Kriminologie?
    • Kriminologiestudium in Hamburg
    • Kriminologisches Glossar und Personenverzeichnis
    • Zeitleiste zur Geschichte der Kriminologie
    • Kriminologische Lehrbücher
    • Aktuelle Journal-Artikel
    • Hinweise zum Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit
    • Prison Song Project
    • Rezensionen
  • Linkportal
  • Veranstaltungen
  • Kontakt

CCTV in der Populärkultur

Am 22. Juni 2012 gepostet von Christian Wickert

Videoüberwachungsanlagen (im Englischen als Closed Circuit Television (CCTV) bezeichnet) dienen der Beobachtung mit optisch-elektronischen Einrichtungen und  verweist darauf, dass die Bilder der CCTV-Kameras an eine begrenzte Zahl von Empfangsgeräten übertragen werden – so die Erklärung auf Wikipedia zu CCTV.

In der zitierten Definition wird indirekt ein Zahlenverhältnis angesprochen: eine begrenzte Zahl von Überwachern steht einer (üblicherweise) größeren Zahl an Überwachten gegenüber. In diesem zahlenmäßigen Verhältnis kommt ebenfalls ein Machtverhältnis zum Ausdruck: einige wenige Auserwählte nehmen eine Kontroll- und Überwachungsfunktion wahr, von der Viele betroffen sind.

Nun muss man kein Experte auf dem Gebiet der surveillance-studies sein, um festzustellen, dass traditionell staatliche Kontroll- und Überwachungsaufgaben zunehmend in Hand privater Akteure gelegt wird. Kein Tankstellenbetreiber und kaum ein Kioskbesitzer verzichtet auf die Überwachung seiner Kundschaft mittels CCTV. In einem schleichenden Prozess der Responsibilisierung hat die private Kontrolle fast alle Lebensbereiche erfasst. Als ein Gradmesser dieses Selbstverständnisses von alltäglicher und allgegenwärtiger Kontrolle und Überwachung mag die Populärkultur herhalten oder genauer: CCTV in der Populärkultur.

CCTV im Werbeclip

Ein aktuelles Beispiel aus der Populärkultur ist ein Werbeclip von Coca-Cola, der ausschließlich aus der Perspektive von Überwachungskameras gefilmt ist (s.u.). In dem Video heißt es „Security Cameras around the world also capture …“ und „Let’s look at the world a little differently“. In der Coca-Cola-Welt dienen CCTV Bilder nicht mehr der Übertragung an eine „begrenzte Zahl an Empfangsgeräte“ zwecks Kontrolle und Überwachung, sondern der Unterhaltung eines Millionenpublikums. Aber nicht nur Zweck sondern auch Bedeutungszuschreibung scheinen sich gewandelt zu haben: In dem Werbeclip wird nicht hinterfragt, warum Menschen in alltäglichen Situationen gefilmt werden. Die Überwachungspraxis ist zum Selbstverständnis geworden. Raider heißt schon längst Twix und Big Brother heißt jetzt Coca-Cola – und alle sind gut drauf!

https://www.youtube.com/watch?v=auNSrt-QOhw

CCTV im Musikvideo

Natürlich ist der Werbeclip von Coca-Cola nicht das einzige Beispiel von populärlkulturellen Bezügen auf CCTV. Die deutsche Band Deichkind  präsentierte vor einem halben Jahr ein Musikvideo zu dem Song „Illegale Fans“, das nahezu ausschließlich aus im Internet kursierenden Clips besteht, die von Überwachungskameras aufgezeichnet wurden. Anders als bei dem oben genannten Beispiel ist der Rückgriff auf Überwachungsbilder hier ein Stilmittel, das die ironische Wirkung des Liedes verstärkt. Der Text zu „Illegale Fans“ befasst sich mit der Kriminalisierung von Urheberrechtsverletzungen. Alle Raubkopierer sind Verbrecher. Der Fan ist potentieller Raubkopierer. Also ist der Fan potentieller Verbrecher und muss überwacht werden.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Songtext „Illegale Fans“ (Deichkind, Album „Befehl von ganz unten“, 2012)

»Acht Millionen, schieß doch, Bulle, schieß!«

Wir tanzen um den Feuerberg aus lodernden CDs
die Netzwerke sind scharfgestellt in unseren WGs
Dort fahr’n wir die Systeme hoch und rippen uns in Rage
99 Cent fürn Track verpuffen in der Blase
Die Dixie-Klos vom Hurricane schenken wir Lars Ulrich
dort kann er gerne kacken gehen, Hacker sind geduldig
keine Macht für Niemand, wir werden uns nicht stellen
ihr seid das Imperium und wir sind die Rebellen

Wir sind illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
illegale, radikale, digitale Fans

Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in ihrem Land
Unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand
6 Milliarden Terrabyte die Leitung brennt wie nie
Das hier ist kein Klingelstreich, das ist Anarchie
Fuck Saturn und MediaMarkt, euer Kaufhaus müffelt
Wir schließen eure Tore zu und schlucken dann den Schüssel.
Ihr wollt Krieg den könnt ihr haben, wir laden die Waffen
Wir sind keine Einzeltäter, man, wir sind die Massen

Wir sind illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, radikale, digitale Fans

Wir sind neu und haben Verstand, ihr könnt uns überhaupt nichts
Wir zerbröseln eure Strategien mit jedem Mausklick
Ihr sagt wir sind verboten, weil wir zocken, stehlen, greifen
IP-Adressen sind gefälscht, wir gehen über Leichen
Ihr sagt wir sind kriminell, doch wir sind nur die User
Im Knast saugen wir weiter, Copyrights sind was für Loser
Tupac, Kurt und Marley, der Shit ist für uns alle da
Wir sind zu viel, wir sind zu nah, wir sind zu schnell: ihr könnt uns mal

illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
illegale, illegale, illegale Fans
Illegale, radikale, digitale Fans

  • teilen 
  • teilen 
  • E-Mail 

Ähnliche Beiträge:

  1. Kontrolle
  2. mehr CCTV = mehr Sicherheit?
  3. Illegale Fans? Einblick in einen (Ent-)Kriminalisierungs-Diskurs um das Thema „Internet-Piraterie“

Kategorie: Kontrolle und Sanktionen, Überwachung, Video Stichworte: CCTV, Kontrolle, Musik, Responsibilierung, Überwachungskamera, Videoüberwachung, Werbung

Seitenspalte

Social Media

  • Pinterest
  • Twitter
  • Vimeo

Neueste Beiträge

  • Zum Tod von Fritz Sack (1931–2025)
  • Call for Papers – KrimJ-Themenheft 1/2026 – Von Artenschutz bis Ökozid
  • Tagungsbericht: „Hate Crime – Hate Speech – gruppenbezogene menschenfeindliche Einstellungen in Deutschland im Fokus von kriminologischen/soziologischen Analysen“
  • Tagungsbericht: „Hate Crime – Hate Speech – gruppenbezogene menschenfeindliche Einstellungen in Deutschland im Fokus von kriminologischen/soziologischen Analysen“
  • Virtueller kriminologischer Fachtag zum Thema Hate Crime – Hate Speech – gruppenbezogene menschenfeindliche Einstellungen in Deutschland

Neueste Kommentare

  • Christian Wickert zu Studium
  • Noemi Laib zu Studium
  • Rezension: Restorative Justice – Surveillance Studies.org zu Neuerscheinung: Restorative Justice. Heilung, Transformation, Gerechtigkeit und sozialer Frieden

Veranstaltungen

  • Keine Veranstaltungen
  • weitere Veranstaltungen anzeigen
  • Partnerseiten

    Surveillance Studies.org

    http://www.surveillance-studies.org/

    SozTheo

    Krimpedia

    Kriminologische Sozialforschung (Universität Hamburg)
    Institut für Kriminologische Sozailforschung (IKS)

    Copyright © 2026 — Criminologia • Alle Rechte vorbehalten. • Impressum & Datenschutzerklärung

    Anmelden