Das Wahlrecht der Angehörigen
In Japan, so berichtet Petra Kolonko heute in der FAZ (24.08.2010: 6), warten 107 zum Tode Verurteilte auf ihre Exekution. Sie erfahren den Zeitpunkt nach oft jahrelangem Warten in Einzelhaft erst wenige Minuten, bevor es soweit ist. Auf diese Weise wolle man das Gemüt der Verurteilten schonen. So die offizielle Begründung. Amnesty International bezweifelt, dass diese Methode den Zweck erfüllt. Befragungen der Gefangenen selbst wurden anscheinend nicht durchgeführt, so dass man auf der Grundlage einer nicht gefestigten Hypothese agiert. Geschont werden natürlich in dem traditionell familienfreundlichen Land auch die Gemüter der Angehörigen. Sie erfahren ebenfalls nichts – und erst, wenn der Körper des Erhängten nach zehn Minuten Hängen offizielle für tot erklärt wird, werden sie in Form einer Bitte von dem Geschehen unterrichtet. Die Bitte lautet, sie mögen sich entscheiden, ob sie die Leiche oder die Asche haben wollen.
Die seit einem Jahr an der Regierung befindliche DPJ hat in ihren Reihen mehrere Gegner der Todesstrafe. In Meinungsumfragen sind jedoch kontinuierlich rund 80% der Befragen für die Todesstrafe. Da die DPJ gerade viel Popularität eingebüßt hat, will man die Frage der Todesstrafe zwar diskutieren, doch möglichst keine Stimmen verlieren. Die einst zur Gruppe der Gegner gehörende neue Justizministerin trat unmittelbar nach ihrer Benennung für dieses Amt aus der Gruppe aus und unterzeichnete auch bald die Hinrichtungsbefehle für zwei Delinquenten. Sie sei nicht in der Lage gewesen, heißt es, dem Druck aus der Ministerialbürokratie zu widerstehen.
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“Sie sei nicht in der Lage gewesen, heißt es, dem Druck aus der Ministerialbürokratie zu widerstehen.”
Das ist für eine japanische Ministerin offenbar ein Qualifikationsmerkmal.