Qualitätsjournalismus: von russischen Kannibalen und brustkrebsleckenden Popidolen
Woche für Woche versuche ich, die interessantesten kriminal- und sicherheitspolitischen Nachrichten in der Kategorie Verlinkenswertes zusammenstellen. Bei meiner dieswöchigen Recherche nach lesenswerten Meldungen bin ich auf den unten verlinkten Artikel auf Spiegel Online gestoßen:
Kannibalen verkaufen Menschenfleisch an Döner-Bude so titulierten heute übereinstimmend Spiegel Online und die Süddeutsche in ihren Online-Ausgaben.
Auch im Hamburger Abendblatt findet sich ein entsprechender Bericht; lediglich die Onlineredaktion der Bildzeitung hat sich dieses journalistische Schmankerl bislang entgehen lassen. Eine Suche auf dem Onlineauftritt der Bildzeitung fördert lediglich eine bereits ältere Nachricht zu Tage, nach der ein indonesischer Kannibale erfolgreich therapiert werden konnte und von nun an nur noch Spinat essen will (s.u.).
Vor langer Zeit habe ich (seinerzeit noch Schüler) einen Aufsatz über journalistische Stilmittel in der Boulevardpresse gelesen. Auch wenn ich mich leider nicht mehr an den Titel und Autoren erinnern kann, so ist mir ein Beispiel sehr gut in Erinnerung geblieben. Eine idealtypische Überschrift, die Emotionen und Neugierde bei Leser/innen weckt und maximale Verkaufszahlen verspricht, heißt: Lassie leckt Marilyn Monroe Brustkrebs gesund.
Diese Nachricht beinhaltet alles: Tiere, Sex, Pop-Idole, Krankheit, Tod, Verzweiflung, Genesung und Hoffnung.
So gesehen stellt Kannibalen verkaufen Menschenfleisch an Döner-Bude einen journalistischen Glücksfall dar, der die Auflage in die Höhe (und mir zeitweise die Tränen in die Augen) treibt. Die Assoziationskette, die hiermit ausgelöst wird, ist lang und reicht von allen nur denkbaren gesellschaftlichen Tabubrüchen über Gammelfleisch bis hin zu Kapitalismuskritik. Allenfalls Nachrichten wie Drogenabhängige Mutter kocht Kind auf Sparflamme oder Bisexuelle Nonne vom Inzestvorwurf freigesprochen stellten vergleichbare Highlights dar.
Nach dieser Top-Meldung des Tages stellen sich mir zwei Fragen:
Führt es zu einem (Qualitäts-)Gewinn, dass Online-Redaktionen sich dem harten Wettbewerb stellen müssen und sieben Tage die Woche unter Zugzwang stehen, Meldungen zu produzieren?
Macht es Sinn, heute noch einen Beitrag zu Verlinkenswertes zu veröffentlichen, oder ist mit der Kannibalen-Nachricht bereits alles gesagt?
Während ich auf die erste Frage keine schnelle Antwort finde, kann ich die zweite Frage mit einem klaren “JA” beantworten – später an dieser Stelle.
Leider keine verwandten Artikel gefunden
3 Kommentare zu Qualitätsjournalismus: von russischen Kannibalen und brustkrebsleckenden Popidolen
Hinterlasse eine Antwort Antworten abbrechen
Über uns
Criminologia ist ein Blog zu kriminologischen und kriminalpolitischen Themen, betrieben und gepflegt von Lehrenden und Studierenden des Instituts für kriminologische Sozialforschung (IKS) der Universität Hamburg
Kategorie
Themen
Afghanistan Amok Bilder Cultural Criminology Datenschutz Download Drogen Drogen(-politik) Drogenpolitik England Fernsehen Folter Freiheit Gefängnis Gewalt Großbritannien Guantanamo Bay Hamburg IKS Internet Jugendgewalt Jugendkriminalität Jugendstrafrecht Kriminalpolitik Kriminologie Medien Menschenrechte Musik Polizei Prohibition Publikation Sicherheit Strafvollzug Studium Tagung Terrorismus Terrorismusbekämpfung Twitter Universität Hamburg USA Veranstaltung Verlinkenswertes Video War On Terror Überwachungkurz notiert ...
- Bericht der Drogenbeauftragten - Im Bann des Internets - Panorama - sueddeutsche.de http://t.co/7MNBtUvm via @SZ vor 7 Stunden
- Friedensforscher fordern Ächtung bewaffneter Drohnen | tagesschau.de http://t.co/03lMsLkB vor 8 Stunden
- RT @heiseonline: EU-Parlament: Kampf gegen Produktpiraterie gehört nicht zur inneren Sicherheit http://t.co/SfU9MLKs vor 8 Stunden
- RT @Blockupy: Schönes Video: Verleihung der "Goldenen Überwachungskamera" an Maredo-Geschäftsführer in der Freßgaß am 18.5. #Blockupy ht ... vor 8 Stunden
- RT @ReprieveUK: 6500 flights, 140 aircraft, 45 countries, 100s of victims - find out more on the CIA #rendition & torture programme ... vor 12 Stunden
- RT @rogue_law: [Kurz gebloggt] Neue Broschüre von @ProAsyl über das EU-Asylzuständigkeitssystem „Dublin II“ http://t.co/VtDcLjU3 vor 14 Stunden
- Drogen und Suchtbericht 2012 veröffentlicht: http://t.co/TW6ILmiR vor 14 Stunden
- Why cupcakes are the new cocaine via @Telegraph http://t.co/6HLXU0i9 vor 15 Stunden
- RT @zeitonline_dig: "Homicide Watch D.C." sammelt Daten zu Morden in Washington. Das hilft Betroffenen, Journalisten + Polizisten: http: ... vor 15 Stunden
- Gewalt in Fußballstadien: Videobeweis gegen Fans http://t.co/l2YVAd6s 20.05.2012
Auf Twitter folgen
Veranstaltungen
21 Mai 2012 Common Session (Frühjahr 2012) in Porto: Epistemology and Methodology as tools for a critical analysis Porto mehr » 29 Mai 2012 17. Suchttherapietage in Hamburg Universität Hamburg, Von-Melle-Park 8 mehr » 06 Jun 2012 International Conference: Global Perspectives on Justice, Security and Human Rights John Jay College of Criminal Justice, New York City mehr » 11 Jun 2012 Stockholm Symposium Stockholm City Conference Center mehr » 11 Jun 2012 Fachtagung "Arbeit statt Strafe und dann? Gemeinnützige Arbeit als Resozialisierungsinstrument!" Schillergymnasium (Aula), Schillerstr. 125-127, 10625 Berlin (Charlottenburg) mehr » Hinweise auf weitere Veranstaltungen finden Sie im Veranstaltungskalender.
Krimpedia – aktuelle Änderungen und Ergänzungen- Benutzer:GeisCastaneda600 22. Mai 2012
- Handbook 22. Mai 2012
- City of Men 21. Mai 2012
- Handbook 21. Mai 2012
- City of God 21. Mai 2012
- City of Men 21. Mai 2012
- Handbook 20. Mai 2012
- City of Men 20. Mai 2012
- Handbook 20. Mai 2012











das ist schon ein stück weit krank…
also die Berichterstattung, an Kanibalismus kann ich nichts schlimmes finden *duck und renn*
Frage: A oder B?
Antwort: klares “JA”, aber erst spaeter
Aha.
Soviel zu Veroeffentlichungsdruck und Qualitaetsjournalismus. Musste ja mal gesagt werden.
ist halt die mathematisch korrekte Antwort