(China III) Der chinesisch-grüne Daumen
Die Volksrepublik China ist ganz vorne dabei wenn es um Kohledioxidausstoße, Luft- und Umweltverschmutzung geht. Der Wachstum der chinesischen Wirtschaft und ihr stetig steigender Hunger nach Rohstoffen und Energie kennt bisher kein Ende. Auch die Wirtschaftskrise wird dem Trend der dreckigen Abgase und giftigen Abwasser nicht Einhalt gebieten können. Die Problematik ist wohl bekannt sowohl in Europa als auch vor Ort in der Volksrepublik. Trotzdem verkaufen die Deutschen liebend gern Luxuswagen mit 15-20 liter Verbrauch an die befreundeten Genossen aus dem fernen China. Die gesamte Riege der politischen Oberklasse und des militärischen Apparats (einschließlich Geheimpolizei) und das sind nicht wenige, fahren Audi, Mercedes und BMW, natürlich auch zunehmend private Geschäftsleute. Ausschließlich 8-Zylinder Motoren mit viel PS und natürlich getönten Scheiben, viele sogar gepanzert. Die deutsche Wirtschaft freut´s, der chinesischen (bzw. globalen) Umwelt schadet´s. Umweltfreundliche Technologie wird wenig gefördert und Innovationen nicht geteilt, um den Wettbewerbsvorteil nicht zu verlieren. Dabei gibt es nach meinem Wissen gar keinen Pokal für den größten Umweltsünder, obwohl die Champions-League Teilnehmer bereitstünden.
Die Chinesen müssen mehr Verantwortung tragen, da sind sich die Stimmen im Westen einig. Unsere eigene Verantwortung, bzw. die Dimensionen in denen wir sowohl Zuhause in Europa als auch im fernen China zur globalen Katastrophe beitragen verdrängen wir immer mehr. Bemühungen die “Schuld” anderen zuzuschreiben werden immer populärer, das Herunterspielen der eigenen Rolle ist typisch. Ich mein die Europäer haben ja auch genug Bösewichte neben denen sie auf dem ersten Blick harmlos erscheinen. China, Indien und die USA produzieren faktisch mehr Abgase und Müll, außerdem können die Deutschen sich mit ihrem gelben Sack und der drei bis fünf gliedrigen Mülltrennung ruhig schon mal auf die eigenen Schultern hauen. Ein schlechtes Gewissen muss man nicht haben.
Die Chinesen sind nicht dumm! Und das sollten wir uns auch ja nicht einreden. Sie kennen ihre Probleme und arbeiten an ihnen, Tag und Nacht koste es was wolle. Riesige Aufforstungsprogramme überziehen das Land, ganze Putz- und Aufräumkolonnen durchkämmen die Straßen. Natürlich ist das alles noch nicht genug und es muss noch viel mehr getan werden, aber auch das wissen die Chinesen. Wachstum und Wohlstand verbraucht viel Energie, das kennen die Europäer und die Chinesen sind jetzt einfach dran mit ihrer Industrialisierung, und dass lassen sie sich nicht nehmen!
Die Chinesen sind nicht dumm! Nein!!! Ganz im Gegenteil, sie sind fleißig und gewitzt. Sie glauben an ihren globalen Erfolg, an mehr Luxus und Wohlstand. Das Regime ist hart das weiß jeder im Land, aber kaum einen störts. Denn sie sehen, dass gearbeitet wird, an allen Ecken und Enden und sie arbeiten auch. Sie arbeiten für sich und für die ganze Welt, alles was der Mensch im Alltag braucht kommt aus China, hat man zumindest das Gefühl, wenn man durch die Industriezonen des Landes fährt und auf den Märkten wandert.
Die Welt kauft China!
Deshalb hat die Führungsebene auch vorgeschlagen, dass Länder wie die USA die Verantwortung für den CO-2 Ausstoß Chinas teilen sollten. Denn schließlich arbeiten die Fabriken meist für den Export. Klingt irgendwie logisch, dass der gemeine Europäer bzw. Amerikaner mit seinem Konsumwahn die Heizöfen der Chinesen anfeuert ist nachvollziehbar, also sollte man auch dafür gerade stehen können. Und wenn die Deutschen auch noch die Verantwortung für ihre weltweit herumfahrenden Autos übernehmen würden (schließlich hätten sie statt S-Klassen auch umweltfreundliche Smarts exportieren können), hätten die Chinesen schon fasst eine erträgliche Umweltbilanz. Aber da machen die USA nicht mit, genauso wenig die Europäer. Ist eigentlich ja auch schwachsinnig, denn egal wer offiziell die Verantwortung trägt, die Luft über Peking wird dadurch nicht besser.
Umweltpolitik über Emissionsraten und symbolischer Baumpflanzung zu betreiben ist nicht nur komplett sinnlos es ist auch unehrlich. Politik und Wirtschaft haben egal wo auf der Welt ohne jegliche Rücksicht auf Folgeerscheinungen die Ressourcen der Erde angezapft und beuten diese wahllos aus. Die Erdbevölkerung, Namens Mensch leidet sowohl an der eigenen Ausbeutung als Arbeitssklaven in Massenhaltung, als auch an den täglich stärker werdenden Umwelteinflüssen. An der Nordseeküste weht bisher immer noch eine steife Briese und der salzige Nachgeschmack in der Luft verzückt die Sinne. In den Megastädten Chinas weicht die allgegenwärtige Smogwolke kaum noch auf, die Luft steht und stinkt bestialisch. Die Sinne schlagen Alarm.
China kennt sein Umweltproblem, es liegt wörtlich in der Luft. Die Bemühungen das ökologische Gleichgewicht wieder herzustellen sind vorhanden. Im ganzen Land werden Bäume gepflanzt! China hat einen grünen Daumen und der ist groß. Doch das Land ist größer und hat außer dem grünen Daumen noch viele schmutzige Finger. Händewaschen muss China selber, doch die Seife muss von uns kommen. Denn letztendlich ist Chinas Problem auch unser Problem.
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