Gibt es abhörsichere Handys?
In Venezuela gibt es ein vielseitiges Handy namens “Vergatario”, mit dem man auch fotografieren, mp3-Musik hören und ins Internet gehen kann (das alles für 14 Dollar). Vor allem aber soll es laut Josef Oehrlein (“Das vulgäre Handy”, FAZ 17.06.09: 33) abhörsicher sein. Das Handy kann, wie der venezolanische Präsident Chávez im Mai in einem Gespräch mit Fidel Castro behauptete, “von amerikanischen Satelliten aus weder abgehört noch lokalisiert werden”. So der FAZ-Redakteur.
Wer glaubt das? Wie wäre so etwas technisch möglich? Und können eigentlich alle anderen Handys auf der Welt entsprechend lokalisiert und abgehört werden? Wer hilft einem IT-Analphabeten weiter?
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6 Kommentare zu Gibt es abhörsichere Handys?
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Eine (von vielen) Möglichkeiten.
Das Gerät kommuniziert verschlüsselt mit einer Basisstation. Damit wäre die Funksignale abhörsicher.
Über die Verschlüsselung können andere mehr und besseres sagen.
Zur Ortung:
Wenn das Gespräch nicht direkt als Ende zu Ende Verbindung aufgebaut wird, sondern eine dritte Vermittlungsstelle, die mittels “B-Kanal-Verschaltung” (das ist automatisiert sowas, wie das Fräulein in einer Telefonzentrale, die ein Gespräch von Hand vermittelt, eine andere bekannte Anwendung sind CallingCard-Server) eine Gesprächsverbindung herstellt, dann ist es einem abhörenden nicht möglich das rufaufbauende Gerät zu identifizieren und zu lokalisieren.
Wirklich gute Frage. Unter dem Stichwort “Krypto-Handy” gibt es sehr viele Hinweise im Internet. Wikipedia etc. Entscheidend ist doch die Frage, ob man aus sicherheitspolitischer Sicht es “dulden” kann, dass es abhörsichere Handies gibt. Jede Fima, die behauptet, dass sie ein abhörsicheres Handy hat, lügt wahrscheinlich. Auch Obama wurde angehalten, nicht mehr seinen Blackberry zu verwenden, weil die Daten nicht sicher seien… Das ist natürlich eine “gute” Werbung.
Die beste Verschlüsselung ist wahrscheinlich doch ein unbekannter Südseedialekt, den nur wenige Menschen verstehen. Unterhalten sich dann diese über das Handy, ist es mit der überwachung vorbei. Bis ein Spezialist den Dialekt entschlüseelt, kann es Jahre dauern.
Spannend finde ich, dass es Wissenschaftlern von der Uni des Saarlandes gelungen ist, einen Nadeldrucker, mit denen z.B. in Arztpraxen gearbeitet wird abzuhören. Allerdings muss der Abhörende noch selber ein Funkmikrophon unter den abzuhörenden Drucker legen.
Hier ein Interview mit dem “abhörenden” Wissenschaftler
http://www.cio.de/knowledgecenter/security/886560/
Zur Frage der Abhörsicherheit
Abhörsichere Handys existieren zwar, allerdings meisst mit einer so genannten End-to-End Verschlüsselung, von Endbenutzer zu Endbenutzer. Diese setzt voraus, dass beide Gesprächsteilnehmer die gleiche Verschlüsselungstechnologie verwenden, meist sogar das gleiche Gerät. Ob es einen offenen Standard dafür gibt, weiß ich nicht, aber grundsätzlich ließe sich jedes Gespräch End-to-End verschlüsseln. Skype tut das beispielsweise, in diesem Fall mit einem geheimen Verschlüsselungsalgorythmus, der auch nach Skypes eigenen Angaben nach wie vor die Möglichkeit des Abhörens von staatlichen Stellen ermöglicht (mit Hilfe des Herstellers). Ein Beispiel für ein “richtiges” Cryptophone, bei dem End-to-End verschlüsselt wird, gibt es hier: http://www.gsmk.de/
Ein Gerät zu verkaufen, das von sich aus jegliche Verbindung verschlüsselt ist meines erachtens Unsinn. Allenfalls kann, wie bereits erwähnt, die Verbindung zur Basisstation verschlüsselt werden. Wird dagegen irgendwo zwischen Basisstation und Gesprächspartner abgehört, wäre die Abhörmaßnahme wieder problemlos möglich.
Zur Frage der Lokalisierung
Hier wirds nun wirklich etwas seltsam. Es ist nur schwer vorstellbar, ein Mobilfunknetz aufzubauen, welches das Handy nicht orten kann. Es ist eben nicht die Frage des Handys, sondern vielmehr des Netzes, ob ein Handy geortet werden kann. Das Gerät logt sich immer in Funkzellen ein, diese Positionsangabe der Funkzelle lässt sich m. E. nicht unterdrücken.
Es bleiben zwei Möglichkeiten diese Behauptung aufrecht zu erhalten: zum einen könnte es sein, dass es in dem Funknetz keine Schnittstellen für die Lokalisierung gibt, auch wenn das Handy zwangsläufig Lokalisiert wird um die Dienste des Netzes nutzen zu können. Wenn die Daten der Position nicht gespeichert werden und es keine definierten Zugriffsroutinen gibt, kann auch niemand “aktiv” lokalisieren. Das wäre dann aber ein leicht zu behebender “Mangel” und keine Eigenschaft des Telefons.
Eine Möglichkeit zu behaupten das “Telefon” sei nicht lokalisierbar, wäre ihm keine Gerätenummer zuzuweisen. Beim GSM Standard für Mobilfunk (wie auch bei anderen Standards) werden nicht nur Informationen der SIM-Karte übertragen, sondern auch eine festgelegte, i.d.R. nicht-änderbare Gerätenummer. Besitzt das Gerät diese Nummer nicht, ließe es sich die Geräte nicht mehr orten, sondern lediglich die SIM-Karten, die sich in die Funkzellen einlogen. Das halte ich jedoch für eine eher zweifelhafte Form der Standort Verschleierung, da die SIM-Karte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit personalisiert ist und sich letztlich um die entsprechenden Dienste nutzen zu wollen, sich doch in die Funkzelle einwählen muss.
Spannend finde ich die Diskussion schon. Was lernen wir daraus für die Praxis? Wie in den Krimiserien à la Tatort: das Handy hat eine Pre-Paid-Karte, den Urbesitzer kann man nicht mehr ausfindig machen. Vielleicht ist das wirklich die Lösung. Das Zauberwort heißt “Entpersonalisierung”. Man kann sich auch die Fingerkuppen abschleifen lassen, sodass man keine Fingerabdrücke mehr hinterläßt. Aber in Zeiten der Gentests? Das Phantom lässt grüssen. Ein Körnchen Wahrheit steckt noch in diesem Kommentar.
[...] wie etwa ein Hinweis auf die Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik. Ein Beitrag über einen Bericht in der FAZ über ein angeblich abhörsicheres Handy, das in Venezuela vertrieben wird, entwickelt sich – Google sei Dank – zu einem der [...]